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Die Befreiung!?

 Die Sonne war noch nicht vollends aufgegangen, da erscholl der Gebetsruf des Vorbeters vom Lager der Fulbe und weckte auch den letzten Schlafenden. Nachdem sie ihre religiösen Pflichten erledigt hatten, ließ der boshafte Anführer nochmals die Lagerfeuer entfachen und den Rest des Fleisches erwärmen. Wieder mussten die hungrigen Männer den Geruch des Essens ertragen. Hans Kolbe fuhr sich energisch durch die wilde Mähne und wandte sich an Archill: „Warum halten die uns so hin? Warum stellen sie keine Forderungen?“ Archill schaute ihn an und antwortete: „Die Sklavenjäger sind schlau. Ihr habt zu viele Gewehre, sie wollen Euch ermüden. Wenn alle erschöpft sind, können sie einfacher verhandeln. Außerdem warten ihm Hauptlager die anderen.“

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichte man das Hauptlager der Sklavenjäger. Man zählte an die zwei Dutzend Lagerfeuer. „Eine enorme Übermacht, an die einhundert Mann! Mindestens …“, stellte Hans Kolbe resigniert fest. Die Expedition schlug in gebührendem Abstand ihr einfaches Nachtlager auf. Bald brannte ein Feuer, über dem der restliche Kaffee kochte.

Stunde um Stunde verging. In der Ferne hörte man das Gebrüll von Raubkatzen und die Trompetenstöße von Waldelefanten. Eine quälende Unruhe hielt alle wach. Auch die erschöpften schwarzen Träger schliefen nicht angesichts der Nähe zum Lager der Sklavenjäger. Sie dachten an das ganze Elend, die diese den Völkern der Küste und des Regenwaldes schon gebracht hatten. Hans Kolbe und Franz überlegten, wie man Paul helfen konnte. Kein Essen, die Übermacht der Fulbe und die Bösartigkeit deren Anführers, die Lage erschien aussichtslos.

Nach einer weiteren Nacht, die alle in Ungewissheit und hungrig verbracht hatten, begann der neue Morgen mit einer Überraschung. Dr. Mertens wickelte sich aus seiner Schlafdecke, setzte sich auf, stieß energisch seine Adlernase nach vorne und sagte: „So, ich mache das jetzt!“ Nach Tagen meldete sich der Expeditionsleiter wieder zu Wort, alle sahen ihn erstaunt an. Ohne eine Erklärung abzugeben, erhob er sich, nahm dem wachhabenden Matrosen das Gewehr ab und ging in das Lager der Sklavenjäger. Schnell war er umringt. Die anderen verloren ihn aus den Augen, als er in der Masse der Turbane verschwand. Der hagere Anführer mit der hässlichen Narbe und dem Kinnbart trat dem Expeditionsleiter entgegen. Beide Männer verharrten einen Augenblick in gegenseitiger Abschätzung. Schließlich grinsten beide, denn rasch hatten sie ihre Sinnesverwandtschaft erkannt. Man war vom gleichen Schlag und wusste, wie weit man dem anderen trauen konnte. Nämlich nur so lange, wie es dem anderen von Nutzen erschien, sich an Vereinbarungen zu halten ...

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